Talk – Moondog 100 / Hörverstehen mit Volker Zander

24.5.16 @ 20:00 Uhr - 23:00 Uhr

Apartment
Frankfurterstr. 60

Ein für manche unerträglicher Teil des Fremdsprachenunterrichts aus Schultagen wird bei TOKONOMA neu erfunden: Wechselnde Gäste stellen ihre interessantesten / obskursten / schönsten / teuersten – und was es sonst noch so gibt an Adjektiven – Musikschätze vor.

 

Moondog 100 – Vortrag mit Musikbeispielen zum hundertsten Geburtstag des amerikanischen Komponisten Louis Hardin alias Moondog (1916-1999) von Volker Zander

 

Der amerikanische Komponist und Dichter Louis Hardin alias Moondog, geboren am 26. Mai 1916 in Marysville, Kansas, war zwischen 1950 und 1970 im New Yorker Stadtbild eine feste Institution als blinder, langbärtiger Straßenkünstler im auffallenden Wikingerkostüm. Moondog, der sich selbst gerne als „Europäer im Exil“ bezeichnete, wurde 1974 zu seinem ersten europäischen Konzert nach Frankfurt eingeladen und fasste den Entschluss nicht mehr in die USA zurückzukehren. Hier begann er seine Arbeit an einer fundamentalen Musiksprache zu vertiefen. Möglich wurde dieses Spätwerk durch gastfreundliche und solidarische Stadtgesellschaften in Marl, Recklinghausen und Oer-Erkenschwick in der Peripherie des Ruhrgebiets. Moondog starb 1999 in Münster.

 

Prähistorische Vergangenheit und posthistorischer Futurismus, Insider- und Outsidertum fallen im Leben und Werk von Moondog auf besondere Art und Weise zusammen. Da ist zum einen die Konzentration auf eine streng tonale, kontrapunktische Musik der klassischen europäischen Tradition, zum anderen direkte Berührungspunkte zu progressiven Strömungen im New York der 1950er und 1960er Jahre, zu Jazz-Avantgardisten, zur elektronischen Avantgarde, zum frühen Rock’n’ Roll, später zur Minimal Music, zu Hippie-Kommunarden und Weltmusik; Da ist einerseits der Eigenbau modularer Perkussionsinstrumente für nomadische Straßenmusik, seine auffallende selbstgeschneiderte Kostümierung als Wikinger und die konfrontative Hinwendung zur nordischen Mythenwelt, und andererseits ist da der Einsatz modernster Techniken und Vertriebsformen in der Musikproduktion, von den ersten tragbaren Tonband- und Musikkassettengeräten, zu Langspielplatten im Eigenverlag und später zum Sampler und Computer. 

  

Der in Köln lebende Musiker und Autor Volker Zander arbeitet u.a. als Komponist fürs Theater und entwickelt Hörspiele, Hörstücke und Radiofeature. Volker Zander war bereits im März bei Tokonoma zu Gast und präsentierte da sein Label für Künstlerschallplatten Apparent Extent. 
www.apparent-extent.com

 

 

Anschließend: Natural Blind Inventions: Roots Strata, DJ Set von Volker Zander.
  

Doors: 20:00
Beginn: 20:30
Free Entry